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HUMANISTISCHER GEIST IN OFFENBURGS ALTEN BIBLIOTHEKEN

Ein aufblühender Orden in einer jungen Reichsstadt: Franziskaner kommen nach Offenburg
Hans-Jürgen Günther

Ursprünge    Restaurierung    Informationen zur Ausstellung   

Das oberrheinische Offenburg, seit 1240 aufstrebende Reichsstadt, tat 1280 einen entscheidenden Schritt: Um für eine qualifizierte seel- sorgerische Betreuung seiner wachsenden Bürgerzahl zu sorgen, bat der Stadtrat Patres des damals noch jungen Franziskanerordens, sich in der Stadt niederzulassen. Man verfolgte damit sicherlich zwei Ziele: Ein Orden, der sich so eindeutig dem Lebensideal der Armut, dabei zugleich dem Dienst an den Menschen durch jede Art von Arbeit und Predigt verpflichtet hatte, würde eine Stadt finanziell kaum belasten.

Zum anderen konnte man begabten und lernbereiten Eleven aus der Bürgerschaft in der eigenen Stadt kontinuierlich - neben den bereits existierenden schulischen Einrichtungen - eine höhere Schulbildung gewährleisten.

Durch die Reformen Bonaventuras hatte sich der Orden insofern anderen spätmittelalterlichen Mönchsgemeinschaften angeglichen, als man in Städten in Konventen - als Conventuales - lebte.

Des Weiteren war ein halbes Jahrhundert nach der Ordensgründung bekannt, dass franziskanische Professoren an den berühmtesten Uni- versitäten Europas in vorderster Linie standen, z.B. Antonius von Padua (um 1195 - 1231) in Bologna oder Bonaventura (vor 1221 - 1274) in Paris. Doch nicht nur mit theologisch-philosophischen Fragen befasste man sich. Der ebenfalls in Paris lehrende Franziskaner Roger Bacon (1214 - 1292 oder 1294) förderte durch seine genaue Kenntnis arabischer und griechischer Autoren eine Weiterentwicklung der Mathematik, der Optik und der Astronomie in Westeuropa. In diesem Geist wurde der eigene Ordensnachwuchs geschult. Was an Literatur im Skriptorium des ehemaligen Klosters handschriftlich vervielfältigt wurde, wissen wir heute nicht mehr.

Kriege und Feuerstürme haben vor allem im 16. und 17. Jahrhundert alte Handschriften- und Bücherbestände vernichtet, die das Kloster in franziskanischem Geist einst gesammelt und gemehrt hatte. Badisch-markgräfliche und später großherzogliche Begehrlichkeiten selektierten aus den geretteten Resten zu Beginn des 19. Jahrhunderts die sicherlich wertvollsten Stücke.



Die Historische Bibliothek


Im 15. Jahrhundert hatte sich der Humanismus über die nördlich der Alpen gelegenen Länder hin verbreitet.

Wertvolle Früchte aus dieser und der nachfolgenden Epoche finden sich heute noch im erhaltenen Bücherbestand der Historischen Bibliothek der Ortenaumetropole. Zur Gründung des Offenburger Minoritengymnasiums war es zwar erst 1660 gekommen. Doch eine Bibliotheca F [ratrum] Min [orum] Conv [entualium] Offenburgi (Bibliothek des Minoritenkonvents zu Offenburg) war schon lange zuvor zur Schatzkammer für gespeichertes Wissen geworden.

Auch sie dokumentiert, wie die Reichstadt Offenburg am Aufbruch des humanistischen Zeitalters partizipierte.

Der älteste erhaltene Folioband, eine Straßburger Inkunabel aus dem Jahr 1479 (frühestens 1472), also aus der Zeit, als der Buchdruck bildlich gesprochen noch in der Wiege lag, beweist das. Albrecht von Eyb (1420 - 1475) griff in der Margarita poetica (eine poetische Perle) nach Humanistenart auf lateinische Schriftsteller, vor allem auf Cicero, den Meister der Rhetorik, zurück, um seinen Zeitgenossen Anstöße zur Allgemeinbildung und zur Verbesserung ihrer Redekunst zu geben. Die meisten der vorhandenen 19 Wiegendrucke (bis 1500) und der 74 Postinkunabeln (bis 1520) stammen ebenfalls aus dem alten Franzis- kanerkloster. Sie bieten ein breites Spektrum der gesamten lateinischen und griechischen für die Schule verwendbaren Literatur: Homer, Aris- toteles, Aesop, Terenz, Cicero, Sallust, Vergil, Horaz, Livius, Ovid, Tacitus, Plinius, ja sogar die Werke des spätrömischen Mosella-Dichters Ausonius.

In den Editionen, die alle vor 1550 gedruckt wurden, liegen die Klas- siker der antiken Literatur (außer Plato) fast vollständig vor, dazu phi- lologische Kommentare und/oder Grammatiken und Lexika z.B. von Enea Silvio de Piccolomini (1405 - 1464, ab 1458 Papst Pius II.), Erasmus von Rotterdam (1466 oder 1469 - 1536), Laurentius Valla
(um 1405 - 1457), Aldus Manutius (1449 oder 1450 - 1515), Johannes Reuchlin (1455 - 1522), Philipp Melanchthon (1497 - 1560), sowie hebräische Wörterbücher von Sebastian Münster (1488 - 1552).

Als überzeugendes Beispiel, wie der Humanismus mittelalterliches Denken überwand und das Tor zu neuen naturwissenschaftlichen Er- kenntnissen kraftvoll aufstieß, ist ein Buch besonders zu erwähnen.

Es steht zudem im Zusammenhang mit dem Thema dieser Ausstellung NEUE WELT & ALTES WISSEN - WIE AMERIKA ZU SEINEM NAMEN KAM.

Es ist ein Kalender von Maister Johannes Künigsperger (1436-1476) aus dem Jahr 1496. Die lateinische Übersetzung des Verfassernamens lässt Kenner aufhorchen: Regiomontanus. Dieser Forscher aus dem bayrischen Königsberg war der bedeutendste Mathematiker und Astro- nom des 15. Jahrhunderts. Er gilt als erster Mensch seit der Antike, der in der Lage war, die Inhalte naturwissenschaftlicher griechischer



Schriften von Euklid, Archimedes oder Ptolemäus genau zu verstehen und die andiskutierten Fragen selbständig weiter zu entwickeln. Er be- handelte zahlentheoretische Probleme, förderte Erkenntnisse in der Geometrie, berechnete Sinus und Tangenstafeln und schuf mit der Ent- wicklung seiner auf arabischen Quellen beruhenden Dreieckslehre den Ausgangspunkt für die moderne Trigonometrie.

Der deutsche Forscher wurde wesentlicher Wegbereiter des kopernika- nischen Weltbildes. Tycho Brahe (1546 - 1601) und Johannes Kepler (1571 - 1630) konnten auf seinen Vorarbeiten aufbauen. Die Kalender- reform, die 1582 die Einführung des heute gültigen gregorianischen Kalender brachte, wurde von Regiomontanus bereits ein Jahrhundert zuvor im Wesentlichen erarbeitet.

Regiomontanus (1436 - 1476) berechnete Ephemeriden, d.h. die stünd- lich und täglich wechselnde Stellung des Mondes und der damals fünf bekannten Planeten zur Sonne. Die dann publizierten Ephemeriden- tafeln ermöglichten eine verbesserte Ortsbestimmung auf See. Die Entdecker der Zeit hätten es wohl kaum geschafft, ohne die großartigen wissenschaftlichen Vorarbeiten eines Regiomontanus neue Welten zu erreichen.

Das vorliegende Buch, der Kalender von 1496, ermöglicht einen guten Einblick in das wissenschaftliche Arbeiten des Regiomontanus: Es enthält z.B. eine Städte- und Länderliste, in der die jeweiligen Son- nenauf- bzw. Untergangszeiten bezogen auf Nürnberg stunden- bzw. minutengenau angegeben sind.

Auf 12 Seiten sind die Daten für alle Neu- und Vollmondphasen für den Zeitraum 1494 - 1513 dokumentiert. Auf schwarzroten Tafeln findet man die Mond- und Sonnenfinsternisse zwischen 1497 und 1530 (Monat, Tag) mit genauer Angabe der Mitte der Finsternis und der Dauer.

Am Schluss des Buches gibt es - schülerfreundlich - Anweisungen für den Bau einer Sonnenuhr oder einen Bausatz für einfache astrono- mische Geräte - zum Ausschneiden. Der Katalog des Bücherbestandes der Historischen Bibliothek deckt ebenfalls die Bereiche Historio- graphie und Geographie ab. Mathematik und Naturwissenschaften sind mit bedeutenden Werken vertreten. Auch für juristische und medizi- nische Fragestellungen war man aufgeschlossen. Theologische Werke findet man auffällig wenige in der heutigen Sammlung. Dass die Be- stände der ursprünglichen Minoritenbibliothek Erweiterungen durch die wertvollen Drucke aus dem Besitz des 1640 gegründeten Kapu- zinerklosters sowie durch generöse Spenden von Einzelpersonen oder Familien erfuhren, hat Ute Obhof dargestellt.

Eine exakte bibliothekographische Erfassung sämtlicher Inkunabeln (19), alter Drucke aus dem 16. Jahrhundert (430) und späterer Rara (78) der Offenburger Historischen Bibliothek wurde im letzten Jahrzehnt vom Verfasser vorgenommen und wird demnächst im Internet veröf- fentlicht.



Die Bibliothek aus Prädikatur- und Pfarreibeständen


Freier Bürgersinn einer selbstbewussten Reichsstadt hinterließ im 15. Jahrhundert Spuren, die heute noch sichtbar sind. Die Pfarrkirche Hl. Kreuz, bereits 1387 begonnen, konnte 1415 eingeweiht worden. Möglicherweise erhielt sie aus diesem Anlass von der Stadt ein Gradu- ale, also ein liturgisches Gesangbuch geschenkt, in dem mehrere Mini- aturen auf Offenburg hinweisen.

Zu dieser ecclesia Offenburgis gehörte bald eine weitere Bibliothek, deren beachtliche Reste heute noch erhalten sind. Was gab wohl den Anlass zum Aufbau dieser Büchersammlung?

Die benachbarte Reichsstadt Straßburg hatte, auch wegen ihrer Größe, für Offenburg eine Art Vorbildfunktion. Unter Bischof Albrecht (1478-1506) gab es in seinem Bistum - Offenburg gehörte dazu - erhebliche Missstände in den Kirchen und Klöstern zu beklagen. Dagegen predigte zunächst in der Straßburger Lorenzkirche ab 1478 und ab 1486 im Münster der hochgebildete und wortgewaltige Geiler von Kaysersberg (1445 - 1510). Das blieb auch in Offenburg nicht unbekannt. Auch hier wollte es der dem Humanismus gegenüber aufgeschlossene Rat nicht mehr hinnehmen, dass die hiesigen Pfarrherren unvorbereitet oder unfähig den Pfarrdienst versahen und dass die Predigten vernachlässigt wurden.

Die Aufbruchsstimmung in allen Wissenschaftsbereichen hatte Ciceros zeitlose Forderung belebt, die er in seinen rhetorischen Schriften wie- derholt aufstellt:

Eine in geschliffener Form vorgetragene Rede über ein inhaltlich genau abgestecktes Thema sollte immer zugleich ein Zeugnis von der profunden Allgemeinbildung des Redners sein.Und so handelte anno 1484 Offenburg einer freien Reichstadt gemäß. Man richtete in einem Haus eine Prädikatur ein und kam für den Unterhalt eines begabten und gründlich ausgebildeten Predigers auf. Dieser sollte sich ganz seiner wichtigen Aufgabe widmen. Besitzereinträge wie praedicatura Offen- burgensis, pertinens ad preadicaturam beweisen, dass die Prädikatur eine eigene Bibliothek besaß. Der erste namentlich bekannte Offen- burger Prediger war Magister Georgius Banholz.


In der Reformationszeit blieb die Offenburger Bürgerschaft letztlich bei der alten Religion. Ein Grund dafür mag gewesen sein, dass sie in diesen Umbruchszeiten durch vorbildliche, engagierte und bestens ausgebildete Kirchherrn und Prediger betreut wurde. Zu ihnen gehörte Bonaventura Ersam. Der gebürtige Straßburger - wahrscheinlich 1492 geboren - studierte ab 1508 in Freiburg. Nach 1540 war er an der Offenburger Hl. Kreuz - Kirche Pfarrrektor. Er begründete u.a. eine Stiftung, die begabten jungen Offenburgern eine gründliche univer- sitäre Theologieausbildung ermöglichte. Ferner vermachte er 1551 bei seiner Rückkehr nach Straßburg seine wertvolle Bibliothek mit rund 70 Inkunabeln und Globen testamentarisch der Offenburger Prädikatur, dass man gelehrte Männer von der Jugend an aufziehe.

Befand sich unter den Globen auch einer von Martin Waldseemüller? In einigen Büchern gibt es autographische Besitzervermerke des Stifters. Diese Bibliothek vermischte sich später mit alten Beständen der ecclesia Offenburgensis. Noch die erhaltenen Reste erbringen den Beweis, dass die damaligen Offenburger Prediger mit diesem Bücher- schatz sich zu guten Rednern qualifizieren konnten.

Über das endgültige Schicksal der Büchersammlung ist folgendes be- kannt: 1880 wurden auf dem Pfarrhofspeicher von Hl. Kreuz Bücher der Offenburger Historischen Bibliothek gefunden, die später zur alten Offenburger Pfarrbibliothek gehörten. Irgendwann, vermutlich im 30-Jährigen Krieg, war sie in Vergessenheit geraten. Der Stiftungsrat stufte sie als unbedeutenden Restbestand einer früheren Bibliothek ein und verkaufte den Bücherschatz bestehend aus ca. 260 Bänden (Inkuna- beln, alter Drucke, wertvolle Handschriften) für 19 Vreneli an das Be- nediktinerkloster in Engelberg (Schweiz).
Warum nach Engelberg?

Der damalige Bibliothekar des Klosters war gebürtiger Offenburger und kannte den Bestand (ein beiliegender Katalog führte noch 372 Bände auf) aus seiner Jugendzeit. Der Verfasser hat damit begonnen, den aus Offenburg stammenden Engelberger Bestand bibliothekographisch zu erfassen und versehen mit reichem Bildmaterial für eine Veröffent- lichung vorzubereiten.



Die Bibliothek der Pfarrherren Rapp


Ein zunächst innerkirchlicher Prozess, der letztlich zur schmerzlichen Zäsur in den bis dahin gemeinsamen religiösen Traditionen in Deutschland und Teilen Europas führte, war das beherrschende Thema des 16. Jahrhunderts: Die Reformation. Eine erste Antwort der rö- mischen Kirche fand darauf das Reformkonzil von Trient (1545-1563).

Kirchliche Erneuerung sollte fortan auch durch humanistisch gebildete Pfarrer starke Impulse erfahren. Schriftliche Hinterlassenschaften und eine weitere erhaltene Bibliothek aus dieser Zeit rufen in Erinnerung, wie die Pfarrherren der Offenburger Stadtkirche dieses Erneuerungswerk vor Ort durchsetzten. Auf Bonaventura Ersam folgte ab 1550 Pfarrer Martin Rapp (genaue Lebensdaten unbekannt), der nachweis- lich eine Reihe theologischer Werke erworben hatte.

Bald stand ihm ein begabter und engagierter kirchlicher Mitarbeiter zur Seite: Sein Neffe Hieremias Rapp (um 1544 - 1610). Dieser entstammte einer wohlhabenden Familie aus dem elsässischen Erstein. Nach dem Studium in Freiburg übernahm Hieremias Rapp 1567 das Predigeramt in Offenburg. Die meisten Bücher der Bibliothek aus der alten Prädikatur mit ihrem breit angelegten humanistischen Fundus, die sich heute in Engelberg befinden, standen Rapp während seiner Zeit als Offenburger Stadtprediger zur Verfügung.

Zudem schaffte sich Hieremias Rapp privat exegetische oder homile- tische Werke an, die ihm zur Vorbereitung guter Predigten dienten. Ein wichtiges, handschriftlich von ihm verfasstes Dokument ist erhalten:

Eine Ordo Parochialis Ecclesiae nostrae Offenburgensis, also eine Kirchenordnung eigens für die Offenburger Hl. Kreuz - Kirche. Insgesamt enthält das Manuskript 61 verschiedene Abschnitte mit Anregungen zur würdigeren Gestaltung der Liturgie.

Nach vierzehnjähriger erfolgreicher Arbeit als Prediger wurde Rapp 1581 Kirchherr, d.h. Pfarrrektor der Stadtkirche. In den folgenden drei Jahrzehnten erwarb er fast jährlich die wichtigsten gerade erschienenen Editionen über die nach dem Konzil erneuerte Liturgie, über Psalmen, die Sakramente oder das Kirchenrecht. Erbauungsbücher, aber auch dogmatische, kirchengeschichtliche und kontroverstheologische Schriften gehören zur Sammlung, darunter sechs aus der Feder seines Freundes Johannes Pistorius Niddanus (1546 - 1608). Dieser lebte übrigens ab 1588 für 16 Monate in Offenburg. Ferner interessierten Rapp astronomische Fragen, der Streit um den gregorianischen Kalender oder das Thema Hexen.


Eine Reihe seiner Bücher ziert ein Superlibris, das zwei Raben (Rapp) zeigt. Bedeutende Werke dieser Bibliothek waren einst in Paris, Köln, Rom, Wittenberg, Basel, Neapel, Posen, Venedig, Krakau, Lyon, Ingol- stadt, Antwerpen, Bologna, oder Wien in Druck gegangen. Insgesamt kommen 39 europäische Verlagsorte vor: Ein Beweis für funktionie- renden innereuropäischen Datentransfer der frühen Buchdruckerzeit bis hinein in Offenburger Pfarrhäuser. Das von den Bürgern der Reichs- stadt Offenburg gut dotierte Pfarrherrenamt (100 Gulden jährlich sowie Naturalien) versah Hieremias Rapp als engagiertes Mitglied der nach- tridentinischen römischen Reformkirche fast drei Jahrzehnte lang. Zudem war er in den letzten Lebensjahren Senior des Hohen Chores, einer theologischen Beratergruppe des adligen Straßburger Dom- kapitels. Sogar als Straßburger Weihbischof war er 1601 im Gespräch. Hieremias Rapp starb 1610 und wurde in der Stadtpfarrkirche Hl. Kreuz begraben. Sein Nachfolger im Amt wurde im selben Jahr sein Neffe Lazarus Rapp (1571 - 1618). Auch er kam von der elsässischen Rheinseite, aus Markirch (Ste. Marie aux mines). Nach sechs Studienjahren hatte er zuvor ab 1592 das Offenburger Predigeramt versehen.

Aus seinen Dienstjahren gibt es keinen Beleg, dass er die Bibliothek erweiterte. Dafür hinterließ Lazarus Rapp kurz vor seinem Tod zwei für die Offenburger Stadtgeschichte wichtige handschriftliche Dokumente: Einen Bericht über die Pfarrei zu Offenburg (26. September 1616) und sein eigenhändig verfasstes Testament (1. Dezember 1617).

Danach sollte der Bücherbestand in das Molsheimer Priesterseminar gebracht werden. Das geschah auch, wie wir heute wissen. Bis 1993 war die Bibliothek verschollen. Nach einer Odyssee fand sie lange nach der Aufhebung des Molsheimer Kollegs (1789) ihren Platz im Straßburger Grand-Seminaire. Durch einen Hinweis des Bibliothekars Louis Schlaefli konnte der Verfasser 462 Bücher der früheren Rapp-Bibliothek sowie die ebenfalls verschollene Büchersammlung des Johannes Pistorius wiederfinden und darüber einen Katalog erstellen.

Der humanistische Geist, der ab der zweiten Hälfte des 15. Jahrhundert in der Reichsstadt Einzug hielt, förderte das Schulwesen, die Ausbil- dung guter Prediger und beeinflusste positiv die in Offenburg bear- beitete theologische Literatur des 16. Jahrhunderts. Zwischen den oft unscheinbaren Buchdeckeln der drei heute noch vorhandenen Bücher- sammlungen in Offenburg, Engelberg und Straßburg hat dieser Geist sich erhalten.
Und dazu noch: Wieviel bibliophiler Glanz!