NEUE WELT & ALTES WISSEN
WIE AMERIKA ZU SEINEM NAMEN KAM
Die Historische Offenburger Bibliothek geht auf den seit 1284 an-
sässigen Franziskanerorden zurück. Sie enthält weit über tausend
Bände, darunter wertvolle Inkunabeln und frühe Drucke von antiken
Klassikern und Humanisten, Werke zur Naturwissenschaft, Medizin, Sprache,
Geschichte und Rechtswissenschaft. Ihr inhaltlicher Schwer-
punkt liegt in der humanistischen Schul- und Studienliteratur.
Offenburg, in unmittelbarer Nachbarschaft zu Basel, Freiburg und
Straßburg, lag nahe bei den Zentren des Humanismus am Oberrhein.
Aus diesem Grund finden sich in der Bibliothek Werke von Aristo- teles,
Homer, Cicero, Vergil und Ovid und von Humanisten wie Era-
smus von Rotterdam und Sebastian Brant. Als besondere Kostbarkeit
gelten überdies Werke zu Geographie und Astronomie, darunter höchst sehenswerte Karten und Atlanten.
Das sensationellste Stück ist die Globussegmentkarte des Kartographen
Martin Waldseemüller von 1507. Er zeichnete erstmals die Umrisse des
neuen Kontinents und benannte ihn nach Amerigo Vespucci, den er für den
Entdecker Amerikas hielt. Nur noch vier Exemplare dieser Karte
sind erhalten: eines davon, vermutlich das älteste, in Offenburg.
Die in Museum und Stadtbibliothek ausgestellten Bücherschätze rund
um Martin Waldseemüllers Karte führen uns in die Umbruchszeit
zwischen Mittelalter und Neuzeit. Die Erfindung des Buchdrucks und
die Entdeckung Amerikas brachten die herkömmliche Weltsicht und
das Denken sehr rasch in veränderte Bahnen.
Um 1500 ist das Medium Buch brandaktuell und neu. Altes und neues Wissen
über die Welt kann damit schneller und weitreichender als
jemals zuvor kommuniziert werden. Die Ausstellung zeigt kostbare Bücher,
lenkt den Blick auf die Schönheit der Druckbilder, erklärt Texte,
erläutert Illustrationen. Zugleich verknüpft sie alte und neue
Medien, Kunst und Wissenschaft.
Die Zeichnerin Marie Dréa schuf einen "Raum der Zeichen". In der
Fakultät Medien und Informationswesen der Hochschule Offenburg
entstanden Filme und wissenschaftliche Installationen, die die Kost-
barkeiten der Historischen Bibliothek kommentieren oder virtuell
erläutern. Die Besucher sehen somit das Resultat einer sehr konstruk-
tiven und kreativen Zusammenarbeit zwischen Archiv, Museum, Stadt-
bibliothek und Hochschule.
Nun liegt ein breitgefächertes Begleitprogramm zur Ausstellung mit
Veranstaltungen für Erwachsene wie für Kinder und Jugendliche vor. Besonders freue ich mich, daß die Hochschule Offenburg mit ihrem Semesterthema "WELTSICHTEN - NEUE WELT & ALTES WISSEN" das Projekt in diesem Winter aufgreift und auch zwei Themenabende in Museum und Stadtbibliothek dazu anbietet.
Lesungen, Vorträge, Workshops, ein Theaterstück, ein Medienabend und eine Museumsnacht eröffnen viele Wege der Begegnung mit den kostbaren Büchern und dem darin geborgenen Wissen.